Advent, Advent, jeden Tag eine Geschichte


Verfröhlichte Weihnacht

von Verena Herleth und Anna Grill

Sarah und Tom Fröhlich sind Zwillinge und erleben gemeinsam eine abenteuerreiche Adventszeit. Jeden Tag geschieht etwas Wundervolles. Die Zwillinge laden alle ZuhörerInnen, LeserInnen und VorleserInnen ein im Advent mit ihnen 24 Abenteuer zu erleben. Denn in einem sind sich alle einig: Die Weihnachtszeit ist die schönste Zeit im Jahr!


Sarah und Tom geben ein Konzert

Sarah wachte mit dem Gefühl auf, dass heute ein ganz besonderer Tag werden würde. Freudig zog sie Tom die Decke weg und drückte ihm einen Guten‐Morgen‐Kuss auf die Wange. „Heute ist ein besonderer Tag. Ich spüre es in meinen kleinen Fußzehen. Sie hüpfen und kribbeln“, trällerte Sarah. Tom grunzte verschlafen. Er wollte noch nicht aufstehen. Da klingelte das Telefon, und Sarah spurtete los, um als Erste abheben zu können.

„Hallo, Sarah Fröhlich am Telefon“, stellte sie sich vor. „Hallo, Sarah, hier spricht Tante Ursula. Können Tanja und Timo euch besuchen? Ihnen ist so langweilig“, erklärte die Stimme am Telefon. Natürlich konnten ihr Cousin und ihre Cousine vorbeikommen. Sarah und Tom spielten unheimlich gerne mit Tanja und Timo. Zu viert machte alles nochmal so viel Spaß. Nun war auch Tom hellwach. Flink zogen sich die Geschwister Fröhlich an und warteten bereits an der Türe auf die beiden.

Timo hatte seinen neuen Minirecorder und Tanja ihre Mundharmonika dabei. Jeder durfte ein Liedchen auf der Mundharmonika spielen, und Timo nahm alle Lieder auf seinem Recorder auf. Da holte sich Tom ein paar Töpfe aus der Küche und schlug mit Löffeln und Gabeln darauf. Das klang wie ein Schlagzeug, und wenn Tanja dazu die Mundharmonika spielte, war es fast wie ein kleines Konzert. Sarah holte für Timo eine Flöte und sie selbst suchte ihr Glockenspiel. Wo war es nur? Sie suchte und suchte, fand es aber nicht. Enttäuscht blickte sie aus dem Fenster in den Garten.

Da kam ihr eine Idee. Mit dem Weihnachtsliederbuch unter dem Arm lief sie zu Tom und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Dieser schaute erst etwas verwundert, lächelte dann aber und nickte zu Sarahs Erklärungen. Schnell wurden auch Timo und Tanja eingeweiht und kurz darauf sah man die Musiker ihre Instrumente in den Garten tragen. Sarah hatte noch zwei Holzkochlöffel aus der Küche dabei.

Was hatten die Geschwister heute wieder vor? Zielstrebig gingen sie zu dem Schuppen der Fröhlichs. Von dessen Dach hingen viele Eiszapfen herunter. Sie waren verschieden lang und dick. Als Sarah sie mit einem Kochlöffel vorsichtig anschlug, hörten alle einen mystischen, unbekannten Ton. Richtig außerirdisch klang ihr erstes Lied an den Eiszapfen. Doch ihre Augen leuchteten. Ihr neu entdecktes Eiszapfeninstrument war fast wie ihr gewohntes Glockenspiel.

Tom, Timo und Tanja wippten im Takt zu Sarahs Melodie und setzten bald mit ihren Instrumenten ein. Da hörten sogar die Vögel auf zu zwitschern und lauschten der freundlichen Musik im Garten der Familie Fröhlich. In der Ferne jaulte ein Hund und ergänzte das Konzert der Freunde. Nach einer Weile schlug Sarah das Weihnachtsliederbuch auf und gemeinsam sangen und spielten sie einige Lieder. Alle schwangen im Takt mit und Timo nahm die Lieder mit seinem Rekorder auf.




Das ganze Dorf hörte ihre Musik und es dauerte nicht lange, da kamen noch mehr Kinder mit ihren Instrumenten vorbei. Fredericke brachte eine Flöte, Paul eine Posaune, Georg eine Geige, Klaus eine Klarinette und Rebecca ihre Rassel mit. Die Kinder machten eine wunderschöne Weihnachtsmusik.



„Lasst uns doch auf dem Dorfplatz ein paar Lieder spielen. Wir stellen einen Hut auf und vielleicht bekommen wir ein paar Münzen für eine heiße Schokolade“, schlug Tom vor. Alle nickten begeistert und packten ihre Instrumente für den Transport ein. Jetzt erst bemerkte Sarah, dass sie nicht den ganzen Schuppen zum Dorfplatz tragen konnte. Sie erhob Einspruch: „Das geht nicht. Wir können hier nicht weg. Die Eiszapfen sind am Dach festgefroren.“ Alle Kinder hielten inne.

Sarah hatte Recht, den Schuppen konnten sie nicht einfach so unter den Arm klemmen und mitnehmen. Alle überlegten, ob es nicht eine andere Möglichkeit gab. Die Eiszapfen mitzunehmen war schwierig, denn keiner konnte die Zapfen lange anfassen und sie würden in den warmen Händen schmelzen. Außerdem würden sie keine harmonischen Töne erzeugen, wenn sie sie einfach auf den Boden legen würden. Schließlich hellten sich Timos Augen auf. Er wusste, wie es möglich war, mit den Eiszapfen den Garten der Fröhlichs zu verlassen. Er berichtete von seiner Idee: „Wir brechen die Eiszapfen ab, bohren ein Loch hindurch und hängen sie mit einem Faden an einen Besenstiel.“ Ja, das konnte funktionieren, fanden auch die anderen Musiker.

Vorsichtig brach Paul einen Eiszapfen vom Dach und Tom versuchte mit einem Schraubenzieher ein Loch hineinzubohren. Doch der Zapfen splitterte und immer wieder brachen Teile vom Eis ab. Sarah schaute entsetzt, denn gerade zerstörte Tom ihr natürliches Glockenspiel. Ratlos gaben die Jungs auf und Sarah kratzte sich an der Nase. Das machte sie immer, wenn sie nachdachte. Mit dem Ausruf: „Ich hab‘s! Ich weiß, wie es funktioniert!“, verschwand sie im Haus und kam nach kurzer Zeit wieder. In den Händen hatte sie einen Besenstiel, dicke Wolle und Frau Fröhlichs gesamten Vorrat an Stricknadeln. Alle Kinder schauten sie fragend an, und Sarah erklärte: „Die Stricknadeln müssen am Bauch gewärmt werden, bis sie ganz heiß sind, und dann schmelzen wir Löcher durch die Eiszapfen und hängen sie an den Besenstiel.“ Gesagt, getan. Jedes Kind bekam von Sarah zwei Stricknadeln und wärmte diese unter der Winterjacke und dem Pullover. Brrr, die Stricknadeln fühlten sich auf dem Bauch schrecklich kalt an und Tanja bekam sogar eine Gänsehaut. Doch die Nadeln wurden warm und schmolzen sich mit etwas Geduld durch die Eiszapfen. Timo und Tom hielten den Besenstil und Rebecca band die vorbereiteten Zapfen der Größe nach daran. Fertig war Sarahs natürliches Eiszapfenglockenspiel.

So zogen die Kinder auf den Dorfplatz. Paul und Klaus hatten sich den Besenstiel auf ihren Schultern festgebunden. Sarah stand mit den Kochlöffeln dahinter und freute sich über den guten Klang ihrer nun frei baumelnden Eiszapfen. Rund herum reihten sich Tom, Tanja, Fredericke, Paul, Georg, Rebecca und Timo auf. Fredericke legte ihre Mütze vor die Musikanten, und schon begann das Weihnachtskonzert der Extraklasse auf dem Dorfplatz. Viele Menschen blieben verzaubert stehen und lauschten andächtig den Weihnachtsliedern.

Oft warfen sie auch ein paar Münzen in Frederickes Mütze und applaudierten großzügig. Mit „Oh Tannenbaum“ endete das Konzert, und die Musiker hatten genug Geld bekommen, um im Dorfcafé eine heiße Schokolade zu trinken. Diese wärmte die Kinder wieder auf. Da spürte Sarah wieder das Kribbeln in ihren kleinen Fußzehen. „Ich habe doch gewusst, dass heute ein besonderer Tag werden würde“, sagte sie und lächelte zufrieden.



Überall im Buchhandel erhältlich.

124 Seiten, Taschenbuch, reich illustriert (u.a.in Farbe), € 14,90

124 Seiten, Hardcover, Brilliantdruck, € 24,90

Text Verena Herleth

Illustrationen Anna Grill

Satz und Layout Verena Herleth

ISBN Taschenbuch: 978-3754340417

Hardcover: 978-3754353332



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